Wie unser Gehirn das Wissen merkt und wie wir es leichter einprägen können

Egal ob beim e-Learning, Online-Präsentation, Vortrag oder neuem Sprachkurs. Manchmal fehlt es uns schwer, effektiv und langfristig Wissen zu merken und wir vergessen dieses leicht.

In unserer schnelllebigen digitalen Welt wird es dabei immer wichtiger, Neues zu lernen und sich auf relevante und wichtige Informationen zu fokussieren.

Was passiert in unserem Gehirn und wie können wir neue Informationen besser merken und leichter abrufen? In diesem Beitrag findest Du Antworten darauf.


Was passiert in unserem Gehirn?

Die Aneignung von neuem Wissen ist die Art und Weise wie wir mit unserem Gedächtnis arbeiten und es nutzen.

Hier beschreibe ich Stellen, an welchen das aufgenommene Wissen verloren gehen kann, während wir es Einprägen und wie wir das verhindern können.


Das sensorische Gedächtnis – die erste Schublade

Wir nehmen unterschiedliche Reize, Informationen, kurze und flüchtige Sinneseindrücke aus der Außenwelt zum größten Teil unbewusst wahr. Diese gelangen zunächst in das sog. sensorische Gedächtnis. Hier erfolgt die Verarbeitung von dem, was wir sehen, riechen, hören oder empfinden nach der Aufnahme aus der Außenwelt. Das sensorische Gedächtnis ist die erste, sehr instabile Schublade unseres Gedächtnisses.

Die Reize werden hier kurz zwischengespeichert. Nicht alle Informationen gelangen aus dieser Schublade in die nächste, in das sog. Arbeitsgedächtnis oder Kurzeitgedächtnis. Nur die, die wichtig sind.

Lass Dich nicht ablenken

Ein Beispiel ist das auditive Test bei sprachlichen Prüfungen. Diese erfordern volle Aufmerksamkeit und Konzentration. Schon durch geringe Ablenkung verliert man schnell einen wichtigen Gedanken. Dadurch kann man den Gesamtkontext des Textes nicht mehr verstehen. Als Folge kann man auch die Fragen zum Text nicht richtig beantworten.

Was kann uns helfen, diese aufgenommenen Reize nicht zu verlieren und an die nächste Schublade, an das Arbeitsgedächtnis weiterzugeben?

Unsere Konzentration hilft uns, den Fokus nicht zu verlieren. Es ist eine der wichtigsten kognitiven Fähigkeiten. Wir können sie trainieren, indem wir sie in die richtige Richtung lenken und steuern und die ablenkenden Störfaktoren ignorieren.

Wenn du mehr von dem, was du liest, hörst oder sieht behalten willst, kontrolliere deine Aufmerksamkeit.

Konzentration optimieren

  • Kannst du diese lenken?
  • Welche ablenkenden Faktoren stören dir dabei? Wie kannst du sie minimieren?
  • Welche Übungen helfen dir, die Aufmerksamkeit und Konzentration zu trainieren?
  • Tägliche Meditation ist zum Beispiel eine der effektivsten Übungen dafür.



Das Arbeitsgedächtnis/ Kurzzeitgedächtnis – Unser Arbeitstisch

Das Arbeitsgedächtnis ist die zweite Schublade, wo das Wissen bewusst aufbewahrt wird, welches aus dem sensorischen Gedächtnis durchgedrungen wird. Auch das Arbeitsgedächtnis ist eingeschränkt in Bezug auf Umfang und Zeit. Hier werden die Informationen zwischengespeichert, aufrechterhalten, verarbeitet oder verloren. Ein Beispiel ist das Merken einer Telefonnummer, die du gerade brauchst, um jemanden anzurufen. Diese wirst du höchstwahrscheinlich nach Eingabe der Nummer schnell vergessen, falls du es nicht ständig wiederholst.

Das Arbeitsgedächtnis ist metaphorisch gesehen unser Arbeitstisch. Es ist das, woran wir in diesem Moment arbeiten, was wir planen, woran wir denken und gerade umsetzen. Zum Beispiel wenn du dich auf einen Vortrag vorbereitest, sammelst du zunächst Informationen, gehst in die Bibliothek, recherchierst im Internet. Du vergleichst zunächst verschiedene Informationen und Sachverhalte, liest bei verschiedenen Autoren zu deinem Thema nach, machst dir Notizen oder skizzierst ggf. Schemata. Erst dann beginnst du deinen Vortrag zu schreiben. Dies ist dein Arbeitsgedächtnis.

Wo befindet sich die „allgemeine Intelligenz“ oder das Arbeitsgedächtnis?

In dieser Phase ist der sog. präfrontalen Cortex (Stirnlappen) aktiviert. Er ist zuständig für die Handlungsplanung, Steuerung und Koordination von Bewegungen. Schlussfolgern, Überwachung des Denkvorgangs und Impulskontrolle sind seine weiteren Funktionen. Im präfrontalen Cortex befindet sich die „allgemeinen Intelligenz“ oder das Arbeitsgedächtnis. Hier verarbeitet er die Informationen, die momentan relevant sind. (vgl. Roth 2011: 320).

Der Übergang der Information aus dem Kurzzeit- in das Langzeitgedächtnis

Während der Vorbereitung auf einen Vortrag hast du nun die relevanten Informationen aufgeschrieben, systematisiert und strukturiert.

Jetzt stehst du vor der nächsten Herausforderung. Nämlich aus den Informationen Wissen zu bilden, das langfristig gespeichert werden. Und das Wissen muss in Können und konkrete Fähigkeit übergehen. Das Ziel hier ist den Vortrag einzuprägen und spannend, informativ und unterhaltsam rüberzubringen.

Es können nicht alle Informationen, die im Langzeitgedächtnis landen, abgerufen werden. Das im Langzeitgedächtnis gespeicherte passive Wissen kannst du durch regelmäßige Wiederholung, Verknüpfung mit aktuellen Informationen und praktische Anwendung aktivieren.

Verschiedene Lernmethoden (siehe Blogartikel „Lernen mit Langzeiteffekt“), wie Interleaving, Spaced Learning und Mnemotechniken helfen dir dabei.

Je schwieriger und aktiver dein Lernprozess organisiert ist, desto mehr Wissen kannst du behalten und anwenden.

  • Selbsttests
  • praktische Übungen
  • verteiltes Lernen auf mehrere Zeitintervalle
  • regelmäßige Wiederholungen
  • und Entspannungsphasen
  • helfen dir dabei, das Wissen optimal zu speichern.


9 Tipps, wie wir uns Wissen besser merken können

Stelle also sicher, dass

  • Dein Training auf ein bestimmtes Zeitintervall verteilt ist
  • Baue Entspannungsphasen (Schlaf, Sport etc.) zwischen den Lernphasen ein
  • Überprüfe Dein Wissen mittels Tests und kritischen Fragen
  • Wiederhole es in regelmäßigen Zeitabständen
  • Visualisiere: Je komplexer der Lernstoff desto besser ist es in Bildern, Infografiken, Mind Maps und Diagrammen zu merken
  • Finde außergewöhnliche, groteske Metaphern und Beispiele: Unser Gehirn merkt sie am besten
  • Vernetze: Verknüpfe das Wissen mit dir bereits bekannten Informationen und Erfahrungen
  • Schreibe auf: Durch das handschriftliche Aufschreiben fokussieren wir uns am Besten auf das Lernen und können uns besser konzentrieren
  • Und wende das Gelernte aktiv an!

Gehen die Informationen, die im Langzeitgedächtnis landen, für immer verloren oder verlieren wir mit der Zeit einfach den Zugang zu diesen?

Mit dieser Frage beschäftigen sich zurzeit viele Neurowissenschaftler.

In der Kindheit habe ich zahlreiche Gedichte und Poeme von russischen Klassikern auswendig lernen müssen. Wenn ich mich jetzt an ein Paar Strophen erinnere oder diese erneut lerne, kann ich den Rest mit ein bisschen Anstrengung leicht abrufen. Der Lernprozess geht viel leichter. So als ob etwas im Gedächtnis doch noch geblieben ist. Das spricht dafür, dass der Zugang zum Langzeitgedächtnis nicht verloren geht.

Was können wir daraus lernen?

Fokussiere Dich auf das Wissen!

Es ist essenziell das gelernte Wissen regelmäßig zu wiederholen, anzuwenden und mit bestimmten Erfahrungen/Vorwissen zu verknüpfen. Sonst verlieren wir den Zugang zu diesem. Unterhaltsam, kreativ und abwechslungsreich aufbereitete Kurse, Vorträge und Online-Präsentationen unterstützen uns bei der langfristigen Informationsverarbeitung clever und effektiver als langweiliges Vortagen von Daten und Fakten.


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