5 Tipps für erfolgreiches Lernen mit Langzeiteffekt

Wie können wir die neurowissenschaftlichen Erkenntnisse und Ergebnisse aus kognitiver Forschung nutzen, um besser zu lernen und damit zufriedener und erfolgreicher zu leben?

Zur Zeit absolviere ich einen Online-Kurs bei Coursera zum Thema Design Thinking.

Mein Ziel ist es natürlich, dass das Gelernte möglichst langfristig gespeichert wird, das Wissen nicht aus dem Gedächtnis verloren geht und mit Können umgesetzt wird. Dafür gibt es eine Reihe an Techniken und Methoden, die ich nutze.

Die Kursdauer beträgt 5 Wochen mit je 2 Stunden pro Woche Zeitaufwand. Das heißt es sind insgesamt 10 Stunden Lernzeit, die ich locker auch an 2 Tagen erledigen könnte. Dennoch ist es effektiver nicht in einem Block zu lernen, sondern die Lerninhalte auf einen längeren Zeitraum zu verteilen.

1. Spaced Learning

Diese Methode nennt man Spaced Learning. Die Neurobiologen sind mittels Experimente zum Ergebnis gekommen, dass man die aktiven Lernphasen mit Phasen der Entspannung abwechseln soll. Die Wiederholung des Gelernten erfolgt dabei häufig und in einem bestimmten regelmäßigen Zeitintervall (z.B. 2-3 Tage). Dieses Intervall berücksichtigt die Art und Weise, wie wir vermutlich Informationen speichern bzw. vergessen. Deswegen lerne pro Tag ca. 1 Stunde, mit einem Intervall von 2-3 Tagen.

Die Zeit zwischen den aktiven Lernphasen nutze ich zur Erholung, mache Sport oder Yoga. In der Phase der Entspannung verarbeitet unser Gehirn die aufgenommenen Informationen. Auch in dieser nicht aktiven Zeit lernen wir.

Der Psychologe Hermann Ebbinghaus stellte in seinen Experimenten heraus, dass je häufiger wir das Gelernte wiederholen, desto stabiler werden die Erinnerungen. Er formulierte die sog. Vergessenskurve. Mit Spaced Learning verläuft diese Kurve viel flacher.

Was lernst Du daraus?

Verteiltes Lernen mit je 1 Stunde pro Tag ist viel effektiver als wenn man die Inhalte in einem 2-Tages-Intensiv-Kurs am Stück vermittelt bekommt. Durch das regelmäßige Wiederholen verstärken sich die Synapsenverbindungen zwischen den Neuronen. Und die gelernten Inhalte gehen in das Langzeitgedächtnis über.

Digitalisierung und modernes e-Learning sind perfekte Voraussetzung dafür. Die Lerneinheiten, die du benötigst, um deine Lernziele zu erreichen, sind als Learning Nuggets oder Micro-Lerneinheiten in Form von Videos, Podcasts, Lern Apps, Tests etc. perfekt für kontinuierliches Training.

Achtung: Kleine Lernhäppchen sind zur Zeiten des e-Learning-Booms zwar sehr verbreitet. Professionelle Umsetzung des Trainings, systematisches und kontinuierliches Lernen sowie deine aktive Mitarbeit und Motivation bleiben nach wie vor Voraussetzung für den Lernerfolg!

Es ist auch sinnvoll eine Lernapp zu benutzen, die dich regelmäßig daran erinnert, wann die nächste Lernphase/ Wiederholungsphase ansteht. Ich empfehle Anki und Quizlet. Es macht sehr viel Sinn, den eigenen Lernprozess selbstständig zu steuern und zu kontrollieren.

2. Interleaving (mixed Learning)

Eine andere, sehr effektive Lernmethode ist das sog. Interleaving.

Interleaving ist ein Switchen oder Wechseln zwischen Untereinheiten eines Themas beim Lernen.

Zum Beispiel Du setzt dich mit verschiedenen Methoden des Lernens auseinander. Normalerweise erlernt man zunächst die eine Form, dann geht man zur nächsten und so weiter. Beim Interleaving wechselt man so, dass man z.B. im ersten Schritt die Anwendung in der Praxis aller dieser Lernmethoden (z.B. Beispiele für Mind Mapping, für Methode loci, für Story Telling, für elaboratives Frage stellen) in einem Überblick erlernt.

Im nächsten Schritt beschäftigt man sich mit der Definition aller dieser Methoden. Danach erlernt man ihre Vor- und Nachteile. Schließlich beschäftigt man sich ggf. mit ihrem Erfinder. Ideal für diese Art des Lernens wären die Lernkaten. Mit diesen kannst du die Inhalte auch regelmäßig wiederholen.

Wenn Du ein Student bist und die auf mehrere Prüfungen vorbereitest, konzentriere dich am besten nicht auf ein Fach zu lange. Wechsle zwischen Fach A und Fach B. Versuche Verbindungen zwischen verschiedenen Themen/Fächern herzustellen. Wechsle nicht zu oft die Unterthemen. Stelle sicher, dass Du Dich mit einer Einheit lange genug auseinandergesetzt hast. Wende dabei auch andere Techniken wie elaboratives Frage stellen oder Reflexion an.

Die Interleaving Methode hat sich nach zahlreichen Studien als sehr effektiv erwiesen. Auch wenn es am Anfang schwer anzuwenden ist. Das Gehirn arbeitet intensiver und ist gezwungen immer nach neuen Ideen oder Lösungen zu suchen. Dabei wird das Gelernte in optimaler Weise gespeichert. Interleaving hilft Dir bei der Suche nach der richtigen Problemlösungsstrategie. Wir können bestimmte Sachverhalte vergleichen, Gemeinsamkeiten oder Unterschiede zwischen diesen herstellen, Zusammenhänge erschließen usw.

3. Mens sana in corpore sano

Die positive Wirkung von regelmäßigem Sport auf das Gehirn ist heutzutage unumstritten.

Forschungsergebnisse in Bezug auf Verbesserung der Gehirnleistung und Verminderung der Alterung des Hirns beweisen, dass Sport das Gedächtnis verbessert. Besonders effektiv erweisen sich in diesem Kontext Jogging, Nordic Walking, Aerobic, Yoga, also alle aeroben Sportarten, die die Sauerstoffversorgung fördern. Sport trägt zum Aufbau von neuen Neuronen und Verstärkung des Gedächtnisses bei.

Treibe also Sport, um gesund, fit und smart zu bleiben!

4. Der Morgen ist weiser als der Abend

Schlafen zwischen Lernphasen erhöht den Lerneffekt

In einem Forschungsexperiment hat man die Teilnehmer in 2 Gruppen eingeteilt. Die eine Gruppe lernte in der Früh und absolvierte ihre Prüfung gleich am Abend. Die andere lernte abends, ging schlafen und hatte Ihre Prüfung am nächsten Morgen. Zwischen Lernen und Prüfung verging die gleiche Zeit. Der einzige Unterschied bestand darin, dass die erste Gruppe sich in diesem Zeitabschnitt mit verschiedenen anderen Sachen beschäftigte, die andere Gruppe hat geschafen. Die Forscher kamen zu einem unveränderbaren Ergebnis:

Schlafen zwischen dem Lernen und Prüfung führt zum besseren Einprägen des Gelernten.

Unser Schlaf beeinflusst die Lernfähigkeit des Gehirns sowie die Fähigkeit Informationen zu speichern. Während wir schlaffen, laufen die Prozesse der Konsolidierung des Gelernten sowie des Übergangs der Erinnerungen aus dem Kurzzeitgedächtnis in das Langzeitgedächtnis. Das Schlafen beeinflusst die Neuroplastizität des Gehirns. Die Kontaktstellen zwischen den Neuronen, die sog. Synapsen werden entfernt, falls sie unnötig sind. Die wichtigen, die oft verwendbaren Synapsen Verbindungen werden dagegen gefestigt.

Quelle Neuroplastizität: http://erzählmirmehr.com/2017/07/18/neuroplastizitaet/

Gesunder Schlaf macht uns intelligent, fit, energiegeladen und schön! Achte also darauf, finde die für Dich optimale Schlafdauer und erhole Dich gut zwischen den Lernphasen.

5. Ohne Fleiß kein Preis

Effektives Lernen ist kein leichter Prozess. Auch wenn wir (in unserer Smart Skills eAcademy) effektivste Methoden und Techniken des Lernens anwenden und den Lernprozess so gestalten, dass es Spaß macht und mit vielen positiven Emotionen verbunden ist, was sicherlich auch sehr wirkungsvoll ist.

Effektives Lernen ist dennoch immer mit Anstrengung Deinerseits verbunden. Gerade dann, wenn Du zweifelst, etwas nicht verstehst, wenn Du aus Deiner Komfortzone herausgehst, ist es für den Lernprozess ein effektiver und sehr wichtiger Entwicklungsschritt.

Sicher hast Du solche Momente erlebt, wenn Du etwas Neues gelernt hast. Du hast Dich unsicher gefühlt und Dich gefragt: „Warum drehe ich mich immer wieder in einem Kreis?“ Warum ist es so verdammt schwer?“ Oder Du hast das Gefühl gehabt, plötzlich vor einer Wand zu stehen. Dies ist vollkommen normal. Und gerade in solchen Momenten verläuft der Lernprozess besonders intensiv. Mit anderen Worten: Wenn das Lernen richtig organisiert ist, muss es schwer sein!

Lernbiologisch spricht man von sog. Lernplateau. In dieser Lernphase werden durch Veränderung der synaptischen Verbindungen neue Strukturen im Gehirn gebildet. In dieser demotivierender Phase nimmt der Lernerfolg ab, die Lernfortschritte verlangsamen sich. Ist diese Phase überwunden, steigt der Lernerfolg wieder an. Und der Lernende ist wieder motiviert, sein Lernziel zu erreichen. (Frick/Mosimann 2006)

In diesem Kontext möchte ich eine Metapher aus dem Sport heranführen. Egal ob wir segeln, Marathon laufen, schwimmen oder Ski fahren. In einem bestimmten Moment haben wir das Gefühl, dass unsere Kräfte fast ausgeschöpft sind und wir nicht weiter können. Dabei fühlen wir uns keineswegs glücklich oder sicher. Diese unkomfortable und wenig angenehme Phase hilft jedoch dem Sportler, sich zu überwinden und neue Rekorde aufzustellen. Auch für das Lernen ist das Überwinden dieser Phase besonders wichtig, um das Wissen effektiv anzueignen und dadurch zu wachsen.

Das Lernen muss also aktiv sein. Es reicht nicht aus, wenn wir uns ein Lernvideo zum bestimmten Thema, z.B. „Wie funktioniert unser Gehirn?“ ansehen. Was natürlich schon mal sehr gut ist. Besser ist es, zusätzliche Literatur aufzuschlagen, kritische Fragen zu stellen, zu reflektieren, Mnemotechniken anzuwenden, schwierige Begriffe aufzuzeichnen, zu visualisieren. Sprich: Das Gelernte anzuwenden.

Je schwieriger also unser Lernprozess organisiert ist, desto aktiver sind wir. Wir beschäftigen uns tiefgehend mit Informationen, betrachten diese aus verschiedenen Blickwinkeln, verknüpfen sie mit vorhandenem Wissen, erklären diese den anderen.

So kann das Lernen aufregend und spannend sein, auch wenn es mit viel Anstrengung verbunden ist!

Fazit: Was kannst Du für erfolgreiches Lernen tun?

Wenn Du das Gelernte langfristig behalten willst, wiederhole es in regelmäßigen Zeitabständen, richte deine Aufmerksamkeit auf das neue Wissen, wende es an, gib es weiter. Wenn wir das, was wir uns angeeignet haben nicht abrufen und nicht wiederholen, verlieren wir den Zugang dazu.

Stelle also sicher, dass

  • Dein Training auf ein bestimmtes Zeitintervall verteilt ist
  • Baue Entspannungsphasen zwischen den Lernphasen ein
  • Überprüfe Dein Wissen mittels Tests und kritischen Fragen
  • Wiederhole es in regelmäßigen Zeitabständen
  • Und wende das Gelernte aktiv an!

Dabei kannst du verschiedene Lernstrategien sinnvoll miteinander kombinieren. In unserer gratis Smart Skills eBox findest Du weitere, sehr effektive Lernmethoden und wertvolle Lerntipps.

Damit öffne ich Dir hoffentlich eine neue Tür in die spannende Welt des Lernens!

Glover, J. A. (1989). The “testing” phenomenon: Not gone but nearly forgotten. Journal of Educational Psychology, 81, 392-399.